Fußball ist nicht nur das große Geld und nationale Erregung – Fußball ist Bewegungsdrang und Freude am Spiel. Selbst an Orten auf der Erde, an denen menschliches Siedeln kaum möglich zu sein scheint, hellen sich die Gesichter auf, wenn es gilt, einem Ball hinterher zu jagen. Und noch nicht einmal den braucht es, manchmal reichen auch ein paar zusammengedrehte, dunggetränkte Lumpen.
Buddhistische Mönche beim Fußballspiel – das ist nur auf den ersten Blick erstaunlich. Im kargen Tibet gewähren oft nur Klöster Bildung und gesicherte Ernährung, der Eintritt ist u.U. eine Frage des schlichten Überlebens. Noch ernster ist der Hintergrund der buddhistischen Klöster in den Hindu-Staaten Nepal und Indien: Viele der Novizen stammen aus dem chinesisch kontrollierten Tibet. Sie wurden von ihren Eltern in die Freiheit geschickt, im Winter haben sie in Karawanen den Himalaja überquert, sich von Schnee und Gerstenschrot ernährt, viele erlitten Erfrierungen an Händen und Füßen. Nun sind sie – ohne Kontakt zu ihren Familien – den nepalesischen Bürgerkriegswirren oder der Fremdenfeindlichkeit ausgesetzt.
Die Unsitte des Trikotszerrens wird international immer noch nicht konsequent gepfiffen – auch nicht in der Jancapampa. Das Quechua-Wort bedeutet „Eisebene“, und der abgelegene Talkessel im Osten der Cordillera Blanca in Peru trägt seinen Namen zu Recht. Bald nach Sonnenuntergang ist der Boden pickelhart gefroren, und morgens bieten die jugendlichen Fußballer – barfuß in Sandalen – dann einen eher traurigen Anblick.
Auch Straßenkicker haben bedeutende Zuschauer – in Huaraz (Peru) ist der 6162m hohe Ranrapalca Dauergast.
Eigentlich gibt es im Südwesten Boliviens nur Wüste, Salzseen und Vulkane. Doch die Bewohner von San Juan haben es mit dem Anbau des alten Inka-Getreides Quinua (und Benzinschmuggel nach Chile?) zu einem in der Region vergleichsweise beschaulichem Dorf gebracht.
Der Fußballplatz von Pukara ist die größte horizontale Fläche auf der Isla del Sol im Titicacasee. Während die Jugend kickt, schleppen die Senioren Steine vom Strand zum Bau einer neuen Mauer um den Platz - solange nicht dramatische Strafraumszenen eine Unterbrechung erforderlich machen.
Das Valle de la Luna und die Muela del Diablo sind Kulisse für das sonntägliche Match in Mallasa, einem schicken Villenvorort von La Paz. Erstklassige Trikots zeugen vom Reichtum der Oberschicht der nahen Hauptstadt Boliviens.
Auch in Grönland wird Fußball gespielt!
Qeqertarsuaq ist ein 1000-Einwohnerstädtchen auf der Insel Disko. Die Walfänger sind schon lange nicht mehr hier, und die Zeiten als Verwaltungshauptstadt für Nord-Grönland sind auch längst Vergangenheit. Trotzdem herrscht hier ein munteres Treiben, gelebt wird überwiegend vom Fischfang.
Der Fußballplatz liegt etwas außerhalb an einem wunderschönen Sandstrand, einige Eisberge sind vor der Tribüne hängen geblieben. Im Sommer trifft man sich hier samstags und geht ganz normalen Wochenend-Beschäftigungen nach: Die Feuerwehr übt, es wird gegrillt und Beachvolleyball gespielt. Und als Höhepunkt das Fußballmatch. Das plätschert so dahin, aber zumindest die Lockerungsübungen des Torwarts und das Auslaufen zeugen von ernsthaftem Kick.
An Grönlands langer und unwirtlicher Ostküste wurden erst gegen Ende des 19. Jh. Menschen entdeckt. Die Ivi hatten den Kontakt zu ihren Inuit-Verwandten verloren. Bie heute bleiben Versorgungsschiffe immer wieder im Packeis stecken - selbst im Sommer. 3500 Menschen leben jetzt dort, die meisten in Tasiilaq. Der Fußball hat seinen Weg auch dorthin gefunden.
In Oqaatsut (Rodebay) entsprechen weder Platzmaße noch Tore internationalem Standart. Aber im Sommer ist hier sowieso Spielzeit-unterbrechung: Wie die Fischer warten die Fußballer darauf, daß das Meer endlich wieder zugefroren ist. Dann wird auf dem Eis gekickt, Fischkisten dienen als Tore.
Ganz anders in Ilulissat, eine richtige Stadt, mit 4500 Einwohnern die drittgrößte in Grönland. Der Fußballplatz liegt zentral zwischen Supermarkt und Schulzentrum. Auch in den Sommerferien finden täglich Übungen statt, denn der Trainer wurde gerade gewechselt.
Auf gleicher nördlicher Breite, im Trøms in Nord-Norwegen, hat das Geitnes Stadion von Lyngseidet vor kurzem einen Kunstrasen spendiert bekommen. Golfstrom und Ölgelder ermöglichen hier Zivilisation und Kultur wie nirgends sonst so nahe an den Polen. Aber auch nach Ostern noch muss der Platz regelmäßig vom Schnee geräumt werden.
Doch begeben wir uns zurück nach Südamerika, wärmer ist es dort allerdings nicht...
Das bolivianische Hochland ist sicher einer der unwirtlichsten Orte, an denen Menschen dauerhaft siedeln. In 4000m Höhe sinkt die Nachttemperatur im Winter auf -20°C, im Sommer weicht der Niederschlag nicht nur die wenigen Pisten, sondern auch die Adobe-Hütten auf. Vom Staat und den Erdgas-Geldern gibt es nichts zu sehen. Hier begann im Herbst 2003 ein Aufstand der zum Sturz mehrerer Präsidenten führte. Der 2005 gewählte indigene Präsident (und Fußball-Fan) Evo Morales verstaatlichte die Erdgasvorräte. Mit seinen Reformversuchen sind wiederum die Bewohner des reicheren Tieflandes unzufrieden, heute steht das Land am Rand von Spaltung und Bürgerkrieg.
Spannende Aktion im staubigen Tiwanaku. Unweit findet sich die Ruinenanlage der gleichnamigen Pre-Inka-Kultur. Deren Steine dienten den Konquistadoren zum Bau der Kathedrale.
Ocara ist ein bolivianisches Goldgräberkaff, umgeben von Urwald und mit Quecksilber verseuchten Flüssen. Viel zu holen gibt es nicht mehr, schon die Inkas haben hier geschürft. Die nächste Piste ist zwei Tagesmärsche entfernt und bestenfalls in der Trockenzeit befahrbar. Aber hier gibt es die einzige Schule weit und breit. Im Anschluss an den Unterricht wird von 16-17h exerziert, das ist in allen Schulen Boliviens so üblich. Und nur die Kinder, die nicht noch den mehrstündigen Marsch nach Hause hinter sich bringen müssen, haben dann noch Zeit zum Kicken.
Oberschüler in Peru in ihren schicken Uniformen nutzen das letzte Licht, die steil untergehende Tropensonne wirft lange Schatten und bald ist es schlagartig dunkel.
In Ollantaytambo wird bis heute in den Mauern der Inka-Zeit gewohnt, Straßenpflaster und Grundriss sind unverändert erhalten. Über dem Ort thront eine beeindruckende Tempelruine, aber für die meisten Touristen ist er lediglich Durchgangsstation auf dem Weg nach Machu Picchu. In die Seitengassen verirrt sich kaum jemand, die gehören den Kindern, spielend mit allem was man rollen, werfen oder treten kann.
Und zum Schluss zeigt der Sturm des 1. FFC Wilcahuain die Zähne!
Text und Fotos © Tilmann Graner